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Physikalische Datensicherheit

Der Kampf mit den Elementen

Nicht nur Viren und Hacker, auch Hitze, Wasser und Feuer bedrohen die IT-Infrastruktur und Daten von Unternehmen. Mit der richtigen Strategie für die Ausstattung der Serverräume und Rechenzentren lässt sich dieses oft vernachlässigte Risiko minimieren.

Johannes Fritsche

Fällt die IT-Infrastruktur eines Unternehmens über längere Zeit aus, kostet das nicht nur viel Geld, sondern kann sogar dessen Existenz gefährden. Eine wichtige Rolle spielt nicht nur die Standfestigkeit von Hard- und Software, sondern auch die Beschaffenheit der Serverräume oder Rechenzentren. Die Bauart von Wänden und Türen, die Stromversorgung, die Klimatisierung, der Schutz vor Überhitzung, Brand, Wasserschäden und vor unbefugtem Zutritt sind wesentliche Faktoren. Viel Aufwand steckt deshalb EOS IT Services, ein Unternehmen der EOS-Gruppe, in den bauphysikalischen Schutz seines neuen Rechenzentrums in Hamburg. Für die Prozesse des internationalen Finanzdienstleisters sind die Datensicherheit und der störungsfreie Ablauf von großer Bedeutung. Tätigkeitsschwerpunkte der EOS-Gruppe mit ihren rund 3000 Mitarbeitern in 18 Ländern sind das Informations-, Liquiditäts- und Forderungsmanagement für Banken, Versicherungen, das produzierende Gewerbe und den Versandhandel, aber auch für Energieversorgungs-, Telekommunikations- und IT-Unternehmen.

Das neue Rechenzentrum übernimmt Teile des bisherigen Produktionsbetriebes. So verfügt EOS künftig über zwei redundant ausgelegte Rechenzentren, die sich im Störungsfall wechselseitig ersetzen können. Erstellt wurde das neue Backup-Rechenzentrum von den Fujitsu Siemens Computers IT Product Services. Der modular aufgebaute Serverschutzraum S3R nach der DIN-Schutzklasse 4102 sorgt für den höchstmöglichen Brand- und Klimaschutz und schützt das Data Center vor äußeren Einflüssen wie Feuer oder Löschwasser. Die Server und Storage-Systeme werden mit einem Notfallkonzept ausgestattet, das die Sicherung und Wiederherstellung der Datensysteme im Störungsfall garantiert.


Ohne physikalische Schutzmaßnahmen bleibt nach einem Brand von der Firmen-IT nicht mehr viel übrig.

"Als Dienstleister namhafter Kunden aus Finanzsektor, Telekommunikation und Energieversorgung ist der Schutz unserer Daten oberstes Gebot", betonen die beiden Projektleiter Jens-Uwe Ehrlich, Leiter Hausorganisation EOS DID, und Jens Salomon, Leiter Rechenzentrum bei EOS IT-Services. "Mit dem neuen Serverschutzraum sichern wir unsere gesamte IT-Infrastruktur hinsichtlich Betriebsausfall und Datenverlust maximal ab. Auch wenn eines unserer Rechenzentren ausfallen sollte, können wir ohne Datenverlust innerhalb kürzester Zeit die Produktion im Ausweichrechenzentrum aufnehmen", beschreiben Ehrlich und Salomon die Vorzüge des neuen Hochverfügbarkeitskonzeptes. Bau und Betrieb des Rechenzentrums sind Leistungen zum Managed Data Center, wobei der Kunde das gesamte Projekt kontrolliert, aber nach Bedarf Know-how und Leistungen als Managed Service einkauft. In den Bereichen Hochverfügbarkeit von Servern und Speichersystemen erhält der Mittelstand attraktive Preismodelle.

Fujitsu Siemens positioniert sich damit gegen das Outsourcing, da der Kunde immer seine gesamten IT-Assets im Haus behält. "Zwar sprechen Kostenvorteile für eine Auslagerung, die schlechten Erfahrungen mit Outsourcing-Projekten lassen jedoch viele Manager davor zurückschrecken. Im Rahmen der Managed Services übernimmt Fujitsu Siemens Computers IT Product Services einzelne Tätigkeiten oder Prozesse auf der Basis vereinbarter Service Level Agreements auch im Hause des Kunden. Vergleichbar ist der Ansatz mit Logistik-Anbietern, die Transportaufgaben für das Unternehmen abwickeln - vom Taxi bis zum weltweiten Speditionsnetz", erklärt Richard Schlauri, Executive Vice President IT Product Services bei Fujitsu Siemens Computers.

Verbrauchs- und leistungsabhängige Preise im Sinne eines "Pay as you consume"-Modells sollen die Kostentransparenz steigern und die Gesamtkosten senken. "Unternehmen, die wohlüberlegt und selektiv einzelne Bereiche an spezialisierte Partner auslagern, machen das bessere Geschäft", ist Schlauri überzeugt.

Vielfältige Risiken

Der Verlust wichtiger Daten kann Unternehmen viel Geld, im schlimmsten Fall sogar die Existenz kosten.

Unternehmen sollten sich auf eine Vielzahl von Risiken einstellen und sich nicht nur vor Feuer, Wasserschäden und Einbruch schützen. Auch ein konsequentes Backup bietet nicht immer absolute Sicherheit. Nach einer Untersuchung von Kroll Ontrack, einem Anbieter von Services in den Bereichen Datenrettung und Computer-Forensik, sind Sicherungen in 80 Prozent der Fälle nicht verwertbar, weil bereits korrupte Datenbestände gesichert werden, obwohl das Backup scheinbar reibungslos arbeitet. Ein Ausfall der zentralen Elemente zur Sicherung der Firmendaten kann rein physikalische Ursachen haben - und schon hier zählen die Experten von Kroll Ontrack vielfältige Risiken auf:

  • Ein Headcrash bei nur einer der miteinander verbundenen Platten genügt. Bänder können verschleißen oder gar reißen. Überhitzung und schlechte Durchlüftung von Serverräumen schädigen Prozessoren oder Festplatten. Hitze führt zu einer Materialausdehnung im Laufwerk. Die Lager haben mehr Spiel und die Schreib-/Leseköpfe schweben ungleichmäßig über die Oberflächen der Festplatten. Die korrekte Justierung geht verloren, vorgesehene Toleranzen beim Abfahren der Datenspuren werden überschritten. So kommt es schneller zu Schreib- und Lesefehlern oder Headcrashs.
  • Ein zusätzliches Problem stellen Spannungsschwankungen und Stromausfälle dar. Hier hängt der Ausfall von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel vom Betriebs- und Datensystem.
  • Eine wichtige Rolle spielt auch, welche Aktion im Moment des Versorgungsausfalls durchgeführt wurde. Manche Betriebssysteme verfügen über automatische Scan- Funktionen und Reparatur-Tools, die aber oft nicht ausreichen oder sogar den Schaden verschlimmern.
  • Auch die Notversorgung durch USV-Batterien bietet keine völlige Sicherheit. Sie liefern nur für eine Zeit lang Strom und nützen dann nichts, wenn nicht alle Komponenten damit ausgestattet sind.
  • Ein weiteres Risiko ist die elektrostatische Entladung (Electrostatic Discharge = ESD) - ein Stromimpuls, der, ausgelöst durch große Spannungsdifferenzen, auch über ein normalerweise isolierendes Material fließen kann. Solche Entladungen treten etwa beim Laufen über einen Teppichboden auf. Menschen spüren solche Entladungen erst ab einem Wert von 3000 Volt. Schon eine ESD von nur 10 Volt kann aber Komponenten schädigen. Die Folgen können zum Teil erst Tage oder gar Monate später wirksam werden, warnen die Experten von Kroll Ontrack.


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